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Daniel Gabriel Lichard:
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D. G. Lichard als Genossenschafter

Den Vereinigungsgedanken in der Slowakei verbreitet schon Ľudevít Štúr (1815 — 1856), eine bedeutende Persönlichkeit in der Geschichte der Slowaken, in seiner Wochenschrift „Slovenskje národňje novini“, die in Bratislava, in den Jahren 1845 — 1848 erschien. — Seine Artikel gaben Anlass zur Entstehung der ersten slowakischen Genossenschaftsbewegung, welche Samuel Jurkovič (1796 — 1873), Lehrer im westslowakischen Städtchen Sobotište, hervorrief. Er gründete die erste Selbhilfskreditgenossenschaft, namens „Hospodársky spolok“ (Wirtschaftlicher Verein). Der Verein arbeitete ausschliesslich mit kleinen wöchentlich eingezahlten Mitgliedseinlagen. Beim Eintritt in die Genossenschaft gaben die freiwilligen Mitglieder auch eine kleine Gebühr ab. — Den Kern der Mitgliederschaft bildeten Gewerbetreibende und Kleinbauern. Die Genossenschaft hatte gewählte Verwaltung und Kontrolleure, die den Einlegern und Gläubigern solidarisch und unbeschränkt hafteten, und ohne Belohnung ihre Arbeit verrichteten. Die Genossenschaft gewährte Kredite auf Schuldscheine mit 6%-igem Zinsfuss. Die Mitglieder erschienen in den jährlichen Mitgliedsversammlungen, wo die Verwaltung einen Jahresbericht über die Tätigkeit der Genossenschaft erstattete, und die Funktionäre gewählt wurden. — Von diesem Verein blieben im Original die Stiftungsurkunde samt Statuten und Unterschriften der Mitglieder, die Statuten, die Vereinschronik und das Einlagebuch eines Mitglieds erhalten. — Nach einjähriger Tätigkeit der Genossenschaft, schrieb über dieselbe ihr Gründer und Schöpfer in eine zeitgenössische Zeitschrift (Orol tatranski, 3. Februar 1846) einen ausführlichen Aufsatz.[77]

Mehrere solcher slowakischen Kreditgenossenschaften wurden in den Jahren 1845 — 53, die meisten jedoch in den Jahren 1846 — 47 ins Leben gerufen.

In ganzen sind von vier dieser Genossenschaften die Statuten, geschrieben schon bei der Gründung der Genossenschait, erhalten geblieben. Vollständig gleich sind sie nicht, eine Ähnlichkeit ist jedoch merkbar. — Einige Genossenschaften wurden versuchsweise auf sechs, andere nur auf drei Jahre errichtet. Schon in ihrem Anfang kamen schwere Zeiten über sie, indem sie unter den bewegten Revolutionszeiten der Jahre 1848/49 zu leiden hatten. Der darauf folgende harte Weiner Absolutismus förderte jedweden Vereinigungsgedanken ebenfalls nicht. Deshalb wurden die „Wirtschaftlichen Vereine“ nach bestimmter Zeit teilweise aufgelöst andere stellten ihre Tätigkeit vorübergehend ein, um sie nach Entkräftigung des Absolutismus wieder herzustellen, einige untergingen ehe es die Statuten bestimmten.

In diesem Zeitabschnitt, als man schon dachte, dass der Genossenschaftsgedanke in der Slowakei sein Ende nehme, wurden durch Industrie-Arbeiter etliche Selbsthilfsunterstützungvereine ins Leben gerufen. Bei Erkrankung des Mitglieds wurden vom Verein Unterstützungen ausgezahlt, im Todesfalle erhielten die Hinterbliebenen des Mitglieds zur Dekkung der Beerdigungsausgaben gleichfalls Unterstützungen. — Der bekannteste dieser Vereine ist der im Jahre 1853 in Hronec gegründete Verein, welcher ohne Unterbrechen bis in unsere Tage hineinwirkt.[78] Auch seine ersten, aus dem Jahre 1853 stammenden Original-Statuten, sind uns erhalten geblieben.

Aber schon am Anfang der 50-iger Jahre des v. Jh. erschienen in slowakischen Kalendern und Zeitschriften Artikel über das Genossenschaftswesen und die Wichtigkeit der Vereinigung überhaupt, in denen das Entstehen von Kreditgegenossenschaften mit beschränkter Haftung, und später auch die Notwendigkeit der Errichtung von Konsumgenossenschaften besonders hervorgehoben und befürwortet wurde. Der Erwecker und Verbreiter der Genossenschaftsidee wurde besonders Daniel Gabriel Lichard (1812 — 1882). Es traf die zweite Phase der slowakischen Genossenschaftsbewegung ein.

Lichard war nach Beendigung der Theologie vorerst evangelischer Pfarrer a. B., ferner Professor am Lyzeum in Banská Štiavnica (1838 — 1844), dann für kurze Zeit wieder Pfarrer, um sich später gänzlich der Publizistik zu widmen. Seit dem Jahre 1847 wurden von ihm vorzügliche Kalender, Zeitschriften, Bücher, fast ausschliesslich wirtschaftlichen Charakters geschreiben, geleitet und herausgegeben, in denen er die Interessen der Handwerker- und Bauernklasse verteidigte Er war gleichzeitig Korrektor und Verwalter seiner Auflagen. — Von besonderer Wichtigkeit war seine Tätigkeit in der Zeitschrift „Slovenské noviny“ (1849 — 61), mit deren Schriftleitung er vor der Weiner Regierung beauftragt wurde, und in der Zweiwochenschrift „Obzor“, die in Skalica erschien (1863 — 82). Seit 1852 schrieb er über das Genossenschaftswesen in die Zeitschrift „Slovenské noviny“, empfahl die Gründung kleiner Geldanstalten auf genossenschaftlicher Grundlage und der Gegenseitigkeit. Es sollten Kreditgenossenschaften mit beschränkter Haftung sein, ähnlich den Vorschusskassen Schulze-Delitzschs, selbstverständlich mit bestimmten Abweichungen, denen den slowakischen Verhältnissen am besten entsprechend. Um ihre Gründung zu erleichtern, veröffentlichte er als Vorlage schon fertige Statuten der tschechischen Vorschusskasse in Tábor (Obzor, 1865), und der Hilfskasse in Skalica (Obzor, 1870). Er veröffentlichte auch einige Statuten der bestehenden Konsumgenossenschaften.

Lichard selbst gründete und führte eifrig bis zu seinem Tode die Hilfskasse in Skalica, — zu deren Entstehung Vorbereitungen schon seit dem Jahre 1867 getroffen waren, — die aber erst im Jahre 1870, nach Genehmigung der Statuten, in Tätigkeit trat.

Die Gründung von Kreditgenossenschaften mit beschränkter Haftung propagierten ausserdem mehrere durch Zeitschriftaufsätze, Broschüren und Flugblätter. Ich erwähne wenigstens die Namen: Ján Francisci, gew. Hauptgauleiter von Liptov, Ján N. Bobula, Baumeister, Rudolf Homola, Gymnasialprofessor, Jozef Boor, Rechtsanwalt usw.[79]

Lichard und seinen Zeitgenossen, Anhängern der Genossenschaftsidee, kann man es verdanken, dass im Jahre 1861 die erste und in den Jahren 1867 — 1875 beinahe 60 slowakische Kreditgenossenschaften gegründet wurden, die man Gegenseitige- Hilfsgenossenschaften, oder Hilfskassen nannte. Im Jahre 1870 konnte schon Ján Francisci den ersten Genossenschaftskongress nach Turčiansky Svätý Martin einberufen. Der Kongress fasste den Beschluss, eine Zentralkanzlei als Beratungsstelle der Hilfskassen zu gründen. Aber diese Beratungsstelle hatte keinen langen Bestand, denn die Hilfskassen begriffen ihre Bedeutung noch nicht, und versäumten sie auch finanziel zu unterstützen. Mit ihrer Hilfe wäre wahrscheinlich chon auch in der Vergangenheit die Genossenschaftsbewegung in der Slowakei lebhafter und mehr verbreitet gewesen.

In folgenden Gemeinden entwickelten die slowakischen Hilfskassen eine bedeutendere Tätigkeit: Revúca, Tisovec, Žilina, Skalica, Stará Turá, Kláštor p. Zniovom, Dolný Kubín, Lipt. Sv. Mikuláš usw. Doch einige vegetierten nur, und konnten eigene, grössere Mittel nicht erwerben. Die Gründe waren verschieden. Die Staatsbehörden, welche die Statuten der Hilfskassen genehmigten, beschränkten deren Tätigkeit dadurch sehr, dass sie in manchen Fällen ausser den „ordentlichen“ monatlichen Mitgliedseinlagen, „ausserordentliche“ gewöhnliche Einlagen aufzunehmen nicht gestatteten, oder wenn sie es auch erlaubten, durften ihrer nicht mehr, als die der ordentlichen Einlagen sein. Ausserdem mussten die ausserordentlichen Einlagen mit Schuldscheinen unterlegt werden, für welche die Mitglieder solidarisch hafteten; das belastete wieder die Arbeit der Funktionäre und verteuerte die Einlagen. Einige Genossenschaften beklagten sich über das übermässige Versteuern. Das neue Handelsgesetz No XXXVII. vom Jahre 1875 enthielt Vorschriften, denen nicht alle Hilfskassen entspechen konnten, besonders, wenn die Handelsgerichte auch in rein slowakischen Gegenden alle Schriften in magyarischen Wortlaut vorzulegen forderten, obzwar das mit dem ungarischen Sprachgesetz No XLIV. vom Jahre 1868 in Widerspruch stand. In einigen Fällen wieder war auch guter Wille und auch Notwendigkeit so eine Genossenschaft zu gründen, es fehlte aber an Menschen die es auch ohne Genossenschaftszentrum führen konnten. Ausserden löste die ungarische Regieruns in den Jahren 1874 — 75 alle drei slowakischen Gymnasien auf, welche sich die Slowaken selbst gründeten, und auf Grund des Obengenannten Sprachengesetzes aufrecht erhielten; gleichzeitig schloss sie die einzige slowakische kulturelle Anstalt „Matica slovenská“ in Turčiansky Svätý Martin und nahm ihr Vermögen in Beschlag. Bei den Wahlen in die Verwaltungen der Komitate und in das Parlament waren die slowakischen Kandidaten und ihre Wähler vergewaltigt und verfolgt, so dass die Slowaken im ungarischen Parlament sehr oft nicht einen einzigen Abgeordneten hatten, obwohl sie ihrer, nach der Anzahl, ungefähr 60 haben sollten. (Bis 1918 war die Slowakei ein Teil Ungarns). Das alles blieb nicht ohne Einfluss auf die gegründeten Hilfskassen, ihre Zahl sank allmählich, denn es trat eine allgemeine Unlust ein. Einige erloschen, andere wurden zu Aktiengesellschaften umgewandelt, und die übrigen bestehen noch heute.

Schon vor 1918 entstanden allmählich in der Slowakei neben den Hilfskassen Kreditgenossenschaften anderer Art und verschiedener Typen, teilweise mit beschränkter Haftpflicht, teilweise mit unbeschränkter Haftpflicht, welche an Zahl die Hilfskassen übertrafen.

Lichards Vorzug war, dass er bei der Beurteilung und Lösung der slowakischen Verhältnisse und Bedürfnisse über alles real dachte, dass er sich bemühte die Mängel von Grund aus zu beseitigen, dass er in wirtschaftlichen Fragen einen weiten, immer mit neuen Kenntnissen ergänzten Überblick hatte. Er betrachtete alles aus praktischen Standpunkt. Dabei drückte er seine Gedanken in Wort und Schrift klar, geschlossen und logisch aus. Er war ausserordentlich fleissig, nicht nur als ein arbeitender Mensch, sondern auch als Schriftsteller, die Ausdauer verliess ihn nie. Er war in diesen seinen Eigenschaften so hervorragend, dass er Bewunderung und allgemeine Anerkennung erweckt.

Lichard widmete sein Leben der meist vernachlässigten Schichte der Nation: den Handwerkern und Klienbauern, die eine dringende Hilfe brauchten. Sie hatten keine Fachschulen, keine Fachliteratur, und deshalb bemühte sich Lichard dies alles wenigstens teilweise durch Fachaufsätze, Belehrungen und Ratschläge zu ersetzen. — Man konnte kleine Einlagen nicht anlegen, man bekam nirgendes einen angemessenen und annehmbaren Kredit, und überall herrschte Geld-, Waren- — und Vieh-Wucher: er lehrte Kreditgenossenschaften in Städtschen und Dörfern zu gründen. Kaum erschien irgendeine Regierungsverordnung oder ein neues Gesetz, die den Kleinbauern, Handwerker, oder die Kreditgenossenschaft betraf, augenblicklich veröffentlichte er den Gesetzauszug und dessen Erläuterung. Er forderte Fachorganisationen für die Bauern und Handwerker, welche Ratgeber in ihren Existenzfragen werden sollten. Mit Freude empfängt er jeden Anlass, der sich über den Aufbau und Vorvollkommnung der Unternehmung des Bauern- und Handwerker-standes befasste, und befürwortete das Gründen eines jeden solchen Betriebs in der Slowakei. Er machte die Regierung auf die Notwendigket der Fachschulen aufmerksam und verfolgte achtsam das Schulwesen.

Er kämpfte ununterbrochen gegen die Dunkelheit, gegen die kulturelle und wirtschaftliche Zurückgebliebenheit, gegen das leichtsinnige Leben, gegen die Unternehmungsunlust, und wie sich sein Zeitgenosse ausdrückte: „er legte die ersten Grundsteine der Bildung des Volkes in die slowakische Erde“.

Dieser seltene Mensch, dem das Volk grossen Dank schuldet, wurde am 19. Januar 1812 in Slovenská Lupča geboren, und verschied am 17. November 1882 in Skalica.

Fedor Houdek



[77] Die Statuten, die Chronik und der Aufsatz mit Wiedergabe der Statuten und des Einlagebuches sind im Buche: Fedor Houdek: Počiatky československého družstevníctva, Bratislava, 1935 (Anfänge des tschechoslowakischen Genossenschaftswensens, Bratislava, 1935) veröffentlicht. In diesem Buche sind die ersten Genosenschaften der Slowakei, Böhmens und Mährens beschreiben.

[78] Siehe darüber Aufsätze, gelegentlich seines 90-jährigen Bestandes, im „Hospodársky obzor“ vom 15. Februar 1943 und die Broschüre „Poctivé tovarišstvo v Hronci“ (Bratislava, 1943), mit deutschem Resume.

[79] Die erste slowakischen Broschüre über die Gegenseitigen-Hilfskreditgenossenschaften wurden von Francisci im Jahre 1868 in Ofen, das erste Flugblatt über die Gründung der Kreditgenossenschaften von Boor im Jahre 1869 geschrieben und herausgegeben.




Daniel Gabriel Lichard

slovenský spisovateľ, učiteľ, prvý slovenský profesionálny novinár, vydavateľ, jeden zo zakladateľov slovenskej odbornej terminológie a jedna z najväčších osobností slovenskej národnej minulosti Viac o autorovi.



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